Ist das Glas halb voll oder halb leer?

02. Juli 2019 / Allgemein
Resilienz

Eine objektive Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ihre Antwort sagt auch nichts über das Glas selber aus, sondern viel mehr über Ihre Einstellung. Der Mensch ist seit der Steinzeit grundsätzlich defizitorientiert. Damals war das lebenswichtig, um zu überleben. Heute schadet uns das mehr. Aber zum Glück lässt sich dies ändern. Denn ob wir optimistisch oder pessimistisch denken, hat einen grossen Einfluss auf unser Leben.

Wenn ich Sie bitten würde, den Satz „Die Welt ist voller…“ zu vervollständigen, was würden Sie wählen? Gemäss der inzwischen verstorbenen deutschen Management-Trainerin Vera Birkenbihl ist die meistgewählte Antwort auf diese Frage in Deutschland und der Schweiz: Idioten oder Probleme. Wir sehen die Welt also gar nicht wie Henri Matisse, der sagte: „Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will.“ Wieso sieht also ein Grossteil der Menschen mehr Probleme und Defizite als Chancen und Möglichkeiten?

Wenn wir Angst haben, dann löst das Gehirn eine Stressreaktion aus. Diese führt dazu, dass wir nur noch das eine Problem wahrnehmen, dass wir allzu stark fokussieren. Das mag sehr sinnvoll sein, wenn es in der Steinzeit darum ging, vor einem Säbelzahntiger zu fliehen oder ihn zu bekämpfen. Aber mit solchen Problemen müssen wir uns ja zum Glück in der modernen Welt nicht mehr herumschlagen. Doch wir reagieren immer noch gleich. Mit grossen negativen Folgen, auch gesundheitlichen.

 

Negative Gedanken machen krank

Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health hat ergeben, dass optimistische Frauen ein rund 30% tieferes Risiko haben, an Krebs, einem Herzleiden, einem Schlaganfall oder anderen schweren medizinischen Leiden zu erkranken resp. daran zu sterben. Grund dafür ist, dass negative Gedanken eine bestimmte Region im Gehirn aktivieren: die Amygdala. Dort entstehen Gefühle wie Angst, Unbehagen usw. Menschen, bei denen sich die Amygdala nur langsam erholt, weil viele negative Gedanken dort ankommen, haben ein grösseres Risiko, ernsthaft zu erkranken. Kein Wunder sagte Albert Einstein: „Die einzigen wirklichen Feinde eines Menschen sind seine negativen Gedanken.“

Umgekehrt kann man sagen, dass gemässigter Optimismus (die realistische Form ohne künstliche Übertreibungen) widerstandsfähig macht. Der Psychiater Dennis Charney von der Mount Sinai School of Medicine in New York interviewte 750 Kriegsveteranen, die keine Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen entwickelt hatten – sich also belastbarer zeigten als ihre Kollegen. Er stellte fest, dass ihre häufigste Eigenschaft der Optimismus war. Optimisten geraten auch mal in eine schwierige Situation, aber sie versuchen, sie zu lösen, ihre Situation zu verbessern. Und wenn sie nicht lösbar ist, lernen sie schneller, die Realität zu akzeptieren und weiterzumachen. Sie sind also ausgeglichener und stressresistenter. Aber nicht nur das: Optimisten ernähren sich tendenziell auch gesünder und treiben mehr Sport.

 

Das Glück beginnt im Kopf

Vielleicht werden Sie jetzt sagen: ja, Recht hat sie schon, aber wie kann ich meine Einstellung ändern, wenn ich diese negative Grundeinstellung habe? Das Wichtigste zuerst: wir können unser Gehirn, das den negativen Autopiloten eingestellt hat, neu ausrichten. Wir können ungute Verhaltensmuster durch neue, bessere ersetzen. Wir können aus Fehlern oder Krisen lernen und mehr Gelassenheit entwickeln. Hier nun einige Tipps, wie Sie Ihr Gehirn „umprogrammieren“ können:

 

 

Entscheidend bei all diesen Methoden ist, dass Sie üben, üben, üben. Es braucht viel Disziplin und Hartnäckigkeit, bis das Gehirn begreift, dass es vom negativen in den positiven Modus wechseln soll. Beginnen Sie mit etwas Kleinem und steigern dann. Sie werden mit der Zeit einen deutlichen Effekt spüren: weniger Stress sowie mehr Selbstbewusstsein, Gelassenheit und Energie!

 

©  Claudia Kraaz

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