Wie mache ich mich stark?

23. Oktober 2018 / Allgemein
Resilienz

In meinem letzten Blogbeitrag [Link] habe ich Ihnen erklärt, was Selbstvertrauen ausmacht und was zu einem schlechten Selbstwertgefühl führt. Jetzt wird’s konkret: heute gebe ich Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Selbstvertrauen aufbauen oder wiedergewinnen können. Das Wichtigste vorab: hören Sie auf, sich mit anderen zu vergleichen, werden Sie sich Ihrer Stärken bewusst und akzeptieren Sie Ihre Schwächen. Aber achten Sie auch darauf, welche Worte Sie verwenden und was Ihr Körper ausdrückt.

Sie kennen sicher alle den Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“. Das gilt auch für das Selbstwertgefühl. Auch wenn ich Ihnen letztes Mal erläutert habe, dass mangelndes Selbstvertrauen häufig auf Kindheitsprägungen basiert, sind Sie diesen nicht willenlos ausgeliefert, sondern können diese auflösen oder – wie man in der Fachsprache sagt – „umprogrammieren“.

Den besten Tipp, den ich Ihnen geben kann: hören Sie gleich heute damit auf, sich mit anderen zu vergleichen! Stopp mit Aussagen wie: der Kollege ist schneller aufgestiegen als ich; die Kollegin verdient mehr als ich; der Nachbar hat das tollere Auto als ich usw. Vergleiche machen einem nur unglücklich. Denn man sieht bei einem selber immer nur das Schlechte (oder weniger Gute), das man hat. Das Hauptproblem beim Vergleichen ist, dass es immer jemand gibt, der etwas noch besser kann als Sie oder mehr hat. Sie vergleichen also Ihre schwächsten Seiten mit den besten der anderen. Und das macht Sie logischerweise unglücklich!

Gehen Sie gnädiger mit sich um, machen sich nicht dauernd Vorwürfe oder reden sich klein. Fragen Sie sich immer wieder: würde ich mit meinem Partner, Freunden oder Kunden auch so sprechen? Wahrscheinlich nicht… Lassen Sie nicht Ihren inneren Kritiker Überhand nehmen, sondern fragen sich: was würdest du einem Freund sagen oder für ihn tun, wenn ihm einmal etwas misslungen ist? Vermutlich würden Sie ihn trösten und aufbauen. Tun Sie das von jetzt an für sich auch!

 

Sich seine Erfolge und Stärken bewusst machen

Viele Menschen mit einem schlechten Selbstwertgefühl schätzen gar nicht mehr, was sie Tolles haben und gut können. Adolph Freiherr von Knigge sagte schon im 18. Jahrhundert den folgenden weisen Satz: „Achte dich selbst, wenn du willst, dass andere dich achten sollen!“ In meinen Coachings bitte ich meine Kunden häufig, eine Liste zu erstellen, was Sie alles schon erreicht haben in ihrem Leben – aus eigenem Antrieb –, und sich zudem zu notieren, was sie wirklich gut können. Damit lenke ich ihre Gedanken auf das Positive in ihrem Leben, und wir feiern die Erfolge, die sie schon erzielt haben. Das macht Menschen zuversichtlich, dass sie mehr können, als sie sich zuvor bewusst waren. Vergleichbar mit der Dankbarkeitsliste für das Gute, das jeder in seinem Leben hat, über die ich auch schon geschrieben habe [Link].

Vor einem guten Monat habe ich an einem Symposium der Privatklinik Hohenegg zum Thema Vertrauen (auch ein Teil von SelbstVERTRAUEN) teilgenommen. Dort hat u.a. der deutsche Psychiater und Gründungsmitglied des Deutschen Bundesverbandes Coaching Gunther Schmid referiert. Er hat richtigerweise darauf hingewiesen, dass es ganz wichtig ist, dass Menschen die Erfahrung machen, dass sie noch handlungsfähig sind – dass sie also trotz allem, was vielleicht gerade um sie rum so passiert und wie wenig sie sich eigentlich zutrauen, selber etwas tun können, damit es ihnen besser geht und sie etwas bewirken können. Setzen Sie sich also kleine Ziele und sorgen damit für Erfolgserlebnisse. Das gibt Ihnen die Zuversicht, dass Sie auch weitere, mit der Zeit grössere Ziele erreichen können – von einer Negativ- zu einer Positivspirale. Denn Selbstvertrauen wird nicht an einem Tag gewonnen, sondern wird Stück für Stück aufgebaut.

 

Stärken stärken anstatt Schwächen ausmerzen

Seien Sie sich bewusst, dass sowohl Ihre Stärken als auch Ihre Schwächen zu Ihnen gehören und dass Sie sich schwergewichtig darauf konzentrieren sollten, Ihre Stärken vermehrt auszuleben, anstatt Ihre Schwächen zu bejammern oder zu bekämpfen. Das Portal www.ausbildungs-tipps.ch hat dies vortrefflich zusammengefasst: „Ich muss nicht ‚Stürmer‘ sein, wenn ich von meinen Begabungen eher ein ‚Torhüter‘ bin. Diese können zwar ein Spiel nicht gewinnen, sie können aber verhindern, dass die Mannschaft verliert.“ Ein Team braucht Spieler mit verschiedenen Stärken – die richtige Mischung macht ein Team erfolgreich. An seinen Schwächen zu arbeiten, ist häufig sehr frustrierend und auch anstrengend. Im Gegensatz dazu geht das Stärken aufbauen schneller, ist motivierender und gibt einem dadurch Energie.

Viele Menschen meinen, dass man als Erwachsener so ist, wie man ist, und sich nicht verändern kann. Das ist zum Glück nicht so! Wir können unser Gehirn mit mentalen Techniken umprogrammieren (dank dessen Neuroplastizität). Das kann man auf verschiedene Arten tun. So können Sie vor Ihrem inneren Auge eine Situation visualisieren, bei der Sie sonst gestresst sind (z.B. Auftritt vor der Geschäftsleitung). Sehen Sie sich nun, wie Sie voller Selbstvertrauen die Situation anpacken. Sie sind gelassen und souverän und fühlen sich wohl in Ihrer Haut. Diese Visualisierung wiederholen Sie nun während einiger Wochen täglich 1-2 Mal, und zwar möglichst plastisch, mit vielen Details, und spüren, wie gut Sie sich dabei fühlen. Das Gehirn kann – zum Glück! – nicht zwischen Visualierung und echter Situation unterscheiden, weshalb Sie sich mit der Zeit auch so gut fühlen werden. Den gleichen Effekt haben Mantras (evtl. sogar vor dem Spiegel), die man sich immer wieder sagt, z.B. „Ich habe schon viel erreicht. Ich bin gut, so wie ich bin“ oder „ich reagiere sehr souverän, wenn mich jemand angreift“ – abhängig  davon, was Ihr wunder Punkt ist.

 

Ihre Sprache und Ihre Haltung beeinflussen Sie

Zum Schluss noch einige weitere Tipps, die Ihnen helfen, Ihr Selbstvertrauen aufzubauen:

 

 

Vielleicht haben Sie bei all diesen Tipps einen Punkt vermisst: den Umgang mit Perfektionismus. Dieses Auslassen war bewusst. Denn der Perfektionismus ist gemäss meiner Coaching-Erfahrung DER grösste Auslöser von Stress überhaupt. Wir machen uns mit unserem Perfektionismus effektiv das Leben schwer. Deshalb werde ich diesem wichtigen Thema einen ganzen Blogbeitrag widmen. Lesen Sie mehr darüber in drei Wochen!

 

©  Claudia Kraaz

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