ICH BIN GUT!

02. Oktober 2018 / Allgemein
Resilienz

Was für eine arrogante Aussage, mögen Sie jetzt denken. Im Gegenteil: es ist gut, wenn man weiss, worin man gut ist, und noch stolz ist darauf! Klar, perfekt ist niemand. Aber viele Leute werten sich immer wieder ab und machen sich schlechter, als sie wirklich sind. Im heutigen Blog erläutere ich Ihnen, was ein gutes Selbstwertgefühl ist und wovon es beeinflusst wird. Und in drei Wochen gebe ich Ihnen dann konkrete Tipps, wie Sie es stärken können.

Die Bedeutung von Selbstvertrauen kann gar nicht überschätzt werden. Denn was ich über mich denke und fühle, strahle ich aus (bewusst oder unbewusst) und beeinflusse damit mein Gegenüber. Und es hat Auswirkungen auf meine Handlungen – also auf mein ganzes privates und berufliches Leben. „Wir selbst können unser bester Freund oder unser schlimmster Feind sein“, wie es das Online-Magazin www.eatmovefeel.de auf den Punkt bringt. Alle Menschen haben einen inneren Kritiker, der „ihnen auf Schritt und Tritt folgt und ihr Verhalten und ihre Person kommentiert“, wie der deutsche Psychotherapeut Rolf Merkle treffend bemerkt. Wir trauen uns wenig zu, kritisieren uns selbst und werten uns damit ab. Lassen wir zu, dass uns der innere Kritiker dominiert und so kleiner macht? Oder bieten wir ihm die Stirn, indem wir uns auf unsere Stärken besinnen und unsere Schwächen akzeptieren?

Viele Menschen haben ein Pseudo-Selbstvertrauen, das einem oberflächlich selbstsicher erscheinen lässt. In seinem interessanten Buch „So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen“ weisst Merkle darauf hin, dass diese Menschen denken, sie könnten ihr Selbstwertgefühl dadurch stärken, dass sie erfolgreich sind, Reichtum anhäufen, ihr Äusseres kosmetisch verändern, viele Leute kennen und viel Wertschätzung von ihrem Umfeld bekommen. Diese Menschen haben ein Selbstwertgefühl, das auf Leistung und Äusserlichkeiten beruht, von der Anerkennung der anderen abhängt – also logischerweise auch leicht zu erschüttern ist. Klar, jeder von uns braucht Wertschätzung und Zuneigung, privat und beruflich. Aber diese Leute sind süchtig nach Anerkennung und äusserlich sichtbarem Erfolg. Sie erwarten Lob, wenn sie etwas gut gemacht haben oder sich speziell Mühe gegeben haben, und definieren ihren gesamten Wert darüber. Ein gesundes und stabiles Selbstvertrauen kann jedoch nur von innen kommen.

 

Keine Selbstoptimierung für andere

Die Basis für ein gutes Selbstwertgefühl ist, dass ich mich so akzeptiere, wie ich bin. Ich bin so gut, wie ich bin, und muss nicht dauernd versuchen, mich selbst zu optimieren, um anderen zu gefallen. Ein unbekannter Autor hat es so schön gesagt: „Ich bin nicht auf dieser Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.“ Und einen tollen Zusatzeffekt hat die bedingungslose Selbstliebe auch noch: je mehr wir uns selbst wertschätzen, desto mehr können wir anderen echte Anerkennung und Zuneigung schenken.

Mangelndes Selbstvertrauen ist meistens das Resultat von frühkindlichen oder schulischen Prägungen. Deshalb ist es für die Eltern unter Ihnen auch wichtig, zu wissen, dass Sie Ihren Kindern nicht nur Wertschätzung zeigen, wenn sie etwas gut gemacht haben, sondern dass Sie Ihre Kinder spüren lassen, dass sie geliebt werden, unabhängig davon, welche Leistung sie erbringen und was andere davon denken. Der Newsletter zeitzuleben.de fasst dies gut zusammen: „Kinder erleben häufig, dass sie, so wie sie sind, nicht in Ordnung sind.“ Aus dem äusseren Kritiker wird mit der Zeit ein innerer Kritiker, der uns das Leben schwer macht. Denn eine der beiden Hauptängste hinter einem mangelnden Selbstvertrauen ist die Angst, abgelehnt zu werden. Deshalb brauchen wir alle Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Doch zuerst sollten wir sie uns selbst schenken, bevor wir sie von anderen erwarten.

 

Keine Angst, Fehler zu machen

Die zweite Grundangst hinter einem mangelnden Selbstwertgefühl ist die Angst zu versagen. Aber nur wenn man immer wieder etwas versucht (und deshalb auch mal scheitert), erreicht man auch etwas (dazu mehr in meinem übernächsten Blog zum Thema Perfektionismus). Für viele ist Scheitern eine Riesen-Tragödie (siehe dazu auch mein Blog zum Thema Scheitern [Link], einer meiner meist gelesenen Blogbeiträge überhaupt). Doch zu scheitern resp. einen Fehler zu machen, hat auch sein Positives: man lernt und wird dadurch stärker.

Eindrücklich finde ich in diesem Zusammenhang die Reaktion von IBM-Gründer Tom Watson, als einer seiner Mitarbeitenden einen Fehler beging, der das Unternehmen USD 600‘000 kostete. Er wurde gefragt, wieso er den Mitarbeitenden nicht entlasse. Er meinte dazu: „Ich habe gerade 600‘000 Dollar in seine Ausbildung investiert. Warum sollte jemand anders diese Erfahrung gratis erhalten?“ Und der Ex-Basketball-Star Michael Jordan zeigt, dass die Einstellung zum Scheitern darüber entscheidet, ob man weiterhin an sich glaubt oder dem inneren Kritiker zum Opfer fällt: „In meiner Laufbahn habe ich mehr als 9000 Würfe verschossen. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal war ich derjenige, der das Spiel gewinnen konnte, und ich habe daneben geworfen. Ich bin immer wieder gescheitert. Und genau deshalb bin ich erfolgreich.“ www.karreriebibel.de hat dazu absolut zutreffend geschrieben: „Selbstvertrauen kommt nicht daher, immer richtig zu liegen, sondern daher, keine Angst zu haben, auch mal daneben zu liegen.“

Praktische Tipps, wie Sie Ihr Selbstvertrauen (wieder) aufbauen können, gebe ich Ihnen dann im nächsten Blogbeitrag, den ich am 23. Oktober 2018 veröffentlichen werde.

 

©  Claudia Kraaz

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