„Innovationen entstehen nur in Zusammenhang mit einer Fehlerkultur“

30. April 2019 / Allgemein
Resilienz

Nicolas Durville, CEO Schweiz der stark wachsenden Firma Zühlke, eines internationaltätigen Innovations-Dienstleisters, beschreibt im Interview, welche Fähigkeiten Mitarbeitende mitbringen müssen, um erfolgreich zu sein: Neugierde, Mut, Risikobereitschaft, Führungsstärke und Team Playing. Entscheidend für ein innovationsgetriebenes Unternehmen, betont Durville, seien eine gelebte Fehlerkultur und ständige Weiterbildung.

 Claudia Kraaz: Als Partner für Business Innovationen verkauft Zühlke keine Standardprodukte, sondern Ihre Mitarbeitenden erarbeiten individualisierte Kundenlösungen. Welche Fähigkeiten und welche Persönlichkeit muss man dafür mitbringen?

Nicolas Durville: Wir arbeiten tagtäglich in Teams zusammen. Darum suchen wir starke Team Player, die gerne mit Kunden zusammenarbeiten. Als Partner für unsere Kunden ist die Kundenorientierung bei unserer Arbeit zentral. Mitarbeitende sollen neugierig und mutig sein. Wir haben Spitzenleistung bewusst als einer unserer Unternehmenswerte festgelegt. Entsprechend ist es entscheidend, dass sich die Mitarbeitenden kontinuierlich weiterbilden und die Bereitschaft haben, zu lernen. Dazu stellen wir jedem 20 Ausbildungstage pro Jahr zur Verfügung. Mitarbeitende sollen die Abwechslung suchen und schätzen und sich schnell in neue Themen eindenken können.

 

20 Tage Ausbildung pro Mitarbeitenden

Was erwarten Sie sich vom Investment der 20 Tage Aus- und Weiterbildung pro Mitarbeitenden?

Die technologischen Entwicklungen schreiten in einem rasanten Tempo voran. Damit wir als Partner für Business-Innovation agieren können, ist es wichtig, dass unsere Mitarbeitenden genügend Zeit haben, sich mit den neusten Trends und Entwicklungen zu beschäftigen und sich weiterzubilden. Durch die Aus- und Weiterbildungen unserer Mitarbeitenden sind wir in der Lage, das gesamte Innovationsspektrum anzubieten, schnellere und bessere Ergebnisse zu liefern und die Projektrisiken in der Innovation zu reduzieren. Als Unternehmen Spitzenleistungen zu erbringen, ist nur möglich, wenn die besten Talente rekrutiert werden und sich diese stetig weiterentwickeln können. Unser Ausbildungspaket ist ein klares Alleinstellungsmerkmal, auf das wir stolz sind, und auch ein wesentlicher Grund, warum sich Talente für Zühlke entscheiden.

 

Zühlke ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Finden Sie genügend qualifizierte Mitarbeitende?

Es ist in der Tat anspruchsvoll, genügend qualifizierte Mitarbeitende zu finden. Die Nachfrage nach Fachkräften in unserem Bereich ist sehr hoch. Wir bieten abwechslungsreiche Projekte und investieren in die Ausbildung und Weiterentwicklung. Dadurch sind wir auf dem Talentmarkt attraktiv positioniert und können so kontinuierlich wachsen. Weiter setzen wir auf die Empfehlungen unserer Mitarbeitenden. Sie leben unsere Werte vor und sind Ambassadoren. Die Vernetzung spielt dabei eine äusserst entscheidende und zentrale Rolle. Für uns wird es in Zukunft noch wichtiger, dass wir mit den Talenten eine Beziehung aufbauen – und dies weit vor dem Zeitpunkt, zu dem ein Stellenantritt bei Zühlke überhaupt infrage kommt.

 

Kultur wird durch die Werte der Mitarbeitenden geprägt

In einem innovationsgetriebenen Unternehmen ist eine starke Innovationskultur von grosser Bedeutung. Was macht Zühlke in diesem Bereich?

Die Kultur wird durch die Werte und die Haltung der Mitarbeitenden geprägt. Neben den fachlichen Fähigkeiten schauen wir im Rekrutierungsprozess darum auch, ob die Mitarbeitenden folgende Schlüssel-Eigenschaften zeigen: Bringt die Person eine gewisse Neugierde mit? Ist sie mutig und bereit, Risiken einzugehen? Zeigt sie Führungsstärke? Wie kommuniziert sie? Ist sie ein Team Player? Um die Innovationskultur zu leben, sind diese Eigenschaften zentral. Weiter können Innovationen nur in Zusammenhang mit einer Fehlerkultur entstehen. Denn: Sind Fehler nicht erlaubt, gehen die Leute keine Risiken ein. Sie probieren nichts Neues aus. Wir sind der Meinung, dass die Fehlerkultur vorgelebt werden muss. Darum organisieren wir etwa Präsentationen von Projekten, die weniger erfolgreich waren oder in denen wir Fehler gemacht haben. Damit signalisieren wir: Wir alle machen Fehler. Wir nehmen Fehler als Anlass, zu lernen und uns weiter zu verbessern. Da gehöre auch ich dazu. Es ist für mich persönlich wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen und die eigenen Fehler einzugestehen und daraus zu lernen.

 

Sie haben Mitarbeitende in acht Ländern in Europa und Asien. Wie stellen Sie sicher, dass die Zühlke-Werte Mut, Kundenerfolg, Spitzenleistung und Integrität in allen Ländern gelebt werden?

Das ist eine Herausforderung, die sich uns im Rahmen der internationalen Expansion stellt. Wir haben dafür Massnahmen auf verschiedenen Ebenen definiert und umgesetzt. Diese haben sich in der Vergangenheit bewährt. Eröffnen wir einen neuen Standort, wird mindestens ein Sitz in der Geschäftsleitung mit einer Person einer etablierten Location besetzt. Auch bieten wir den Mitarbeitenden die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit in die neue Location zu wechseln und so Auslandserfahrung zu sammeln. Das Recruiting beim Aufbau von neuen Standorten wird immer gemeinsam betrieben, lokale Teams arbeiten also eng mit Recruiting-Spezialistinnen und -Spezialisten und Mitarbeitenden von etablierten Standorten zusammen. Wir setzen auf verteilte Entwicklung und Projekte, die gemeinsam auf Gruppenebene durchgeführt werden. So übertragen wir unsere Werte in die Gruppe.

 

Nicolas Durville, geboren 1971, ist CEO der Zühlke Schweiz. Er ist seit 2004 für Zühlke tätig und ist Partner des Unternehmens. Nicolas Durville hat einen Master of Science in Electrical Engineering der ETH Zürich erworben und Management-Weiterbildungen an der IMD Business School und am INSEAD absolviert. Als Dienstleister für Innovationsprojekte vereint Zühlke Business- und Technologie-Kompetenzen. Das Unternehmen entwickelt Produkte, Services und Geschäftsmodelle der digitalen Zukunft – von der Idee über die Realisierung bis zum Betrieb. Die Zühlke Gruppe mit mehr als 1000 Mitarbeitenden ist in Bulgarien, Deutschland, Grossbritannien, Hongkong, Österreich, Serbien, Singapur und der Schweiz präsent.

 

©  Claudia Kraaz

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