RESILIENZ-STÄRKUNG ALS FÜHRUNGSAUFGABE

13. Juni 2017 / Allgemein
Resilienz

Resilienz ist meines Erachtens DIE Kernkompetenz in einer sich dauernd verändernden Wirtschaftswelt. Denn nur wer widerstandsfähig ist, bleibt längerfristig leistungsfähig. Jeder kann selber sehr viel dazu beitragen, dass er resilient bleibt oder wird. Aber nicht nur das. Führungskräfte haben einen weit grösseren Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden, als viele denken.

Ich hatte schon Anfragen, ob ich Vorträge und Workshops nur zum Thema „Resilienz als Führungsaufgabe“ halten würde – also ohne den Teil zur persönlichen Resilienz. Da habe ich jeweils dankend abgelehnt. Denn ich bin absolut überzeugt davon, dass eine Führungskraft zuerst bei sich, bei ihrer eigenen Resilienz, anfangen muss. Dass also eine Vorbildfunktion (nicht nur beim Thema Resilienz, aber auch) entscheidend ist. Ein Manager sollte also z.B. selber Freizeit nehmen, sich erholen und dabei nicht jederzeit erreichbar sein. Sonst getrauen sich die Mitarbeitenden dies auch nicht, was schliesslich zu einer stressfördernden und leistungssenkenden Präsenzkultur führt.

Vorgesetzte sollten ihre Mitarbeitende auch wissen lassen: andere Interessen zu haben ist gut. So z.B. wie ein ehemaliger CEO Schweiz eines internationalen Konzerns, der regelmässig untertags zum Sport ging – was von seinen Mitarbeitenden beachtet wurde. Wenig gearbeitet hat er aber deswegen sicher nicht. Solch ein Chef ist sich jedoch bewusst, dass nur leistungsfähig bleiben kann, wer sich regelmässig geistig und körperlich erholt und stärkt.

 

Wertschätzung als Schlüssel

Wissen Sie, was das entscheidende Kriterium ist, wieso Mitarbeitende an einer Stelle bleiben und nicht kündigen? Der Lohn, das Aufgabenprofil, das Team – all das spielt eine grosse Rolle. Aber entscheidend ist die Wertschätzung des Vorgesetzten. Das tönt fast banal, aber ist es nicht. Denn jeder Mensch braucht Anerkennung, und wenn er sie nicht hat, wird er unglücklich. Ein wertschätzender Führungsstil macht also den Unterschied. Lob ist die offensichtlichste Art, Wertschätzung auszudrücken. Das tut jedem gut und kostet nichts. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, z.B. indem Sie Ihre Untergebenen eine wichtige Präsentation halten lassen und ihnen somit zeigen, dass Sie hinter ihnen stehen. Oder indem Sie sich mit einer handgeschriebenen Karte für eine spezielle Leistung bedanken oder einem Mitarbeitenden persönlich zu einem Jubiläum gratulieren.

Schenken Sie Ihren Mitarbeitenden Zeit – ein rares Gut in unserer hektischen Welt. Umso mehr werden es Ihre Angestellten schätzen, dass Sie sich Zeit nehmen für ein Gespräch, für eine regelmässige, offene Kommunikation. Dies kann reaktiv sein, indem Sie dem Mitarbeitenden einfach zuhören, oder proaktiv, indem Sie selber auf Mitarbeitende zugehen, sie über wichtige Entwicklungen informieren, sie um Feedback bitten, sie nach ihrem Befinden fragen usw. So gelingt es Ihnen, eine Vertrauensbeziehung zu Ihren Mitarbeitenden aufbauen. Das ist entscheidend für den Fall (der sicher auch eintreten wird), dass Sie einmal Kritik an der entsprechenden Person üben müssen.

 

Gestaltungsfreiraum geben

Die Resilienz Ihrer Mitarbeitende stärken können Sie auch, indem Sie sie befähigen und fördern. Sorgen Sie also nicht nur dafür, dass Ihre Leute sich fachlich weiterbilden. Regen Sie auch deren persönliche Entwicklung an. Delegieren Sie Entscheidungsbefugnisse, indem Sie Ziele vorgeben, aber Ihre Mitarbeitenden darüber entscheiden lassen, wie sie diese erreichen wollen. Denn die meisten Menschen möchten etwas bewegen können, und dafür brauchen Sie einen gewissen Gestaltungsfreiraum. Sonst werden sie frustriert und gestresst. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, zu beachten, dass jeder Mensch anders tickt und Mitarbeitende von Ihnen die Aufgabe vielleicht anders ausführen, als sie es tun würden. Vertrauen Sie ihnen. Denn das stärkt sie.

Sie können Ihre Mitarbeitenden auch unterstützen, indem Sie für eine effiziente Arbeitsorganisation sorgen. Optimieren Sie die Arbeitsabläufe in Ihrem Bereich nach dem KISS-Prinzip: keep it short and simple. Etablieren Sie klare Prozesse, und sorgen Sie für eine faire Arbeitsverteilung. Und weisen Sie Ihren Untergebenen klare Rollen zu, und verteilen Sie die Arbeitslast fair und entsprechend ihren Stärken. Also tun Sie alles, um Reibungsverluste und Frustrationen zu vermeiden.

 

Eigenen Druck nicht weitergeben

Viele Vorgesetzte unterschätzen den Effekt, wenn sie ihren eigenen Druck eins zu eins an ihre Mitarbeitenden weitergeben. Wenn Sie Emotionen ausdrücken, zeigt das, dass Sie auch ein Mensch sind und nicht nur der Super Hero. Und das ist wohltuend für Ihre Untergebenen. Aber zur Chefaufgabe gehört es auch, zu lernen, mit seinem eigenen Stress gut umzugehen und einen Teil des eigenen, vielleicht starken Drucks für sich zu behalten. Seien Sie sich auch bewusst, dass Sie auf Ihre Leute Druck ausüben, wenn Sie ihnen spät abends oder am Wochenende Mails schicken. Falls Ihnen dies nicht anders möglich ist, ist es für die Empfänger hilfreich, wenn Sie z.B. klar machen, dass eine Beantwortung erst am nächsten Morgen oder am Montag notwendig ist. Sie können dies als generelle Aussage in einem Bereichsmeeting oder z.B. im Betreff Ihres Mails tun.

Unterstützend ist es auch, Ihre Mitarbeitenden darin auszubilden, mit Druck und Stress umzugehen, und proaktiv auf sie zuzugehen, wenn sie Symptome von chronischem Stress oder Vor-Burnout zeigen. Entscheidend ist es für Vorgesetzte, dass sie diese Symptome kennen und sie zu deuten wissen. Deshalb widme ich meinen nächsten Blog dem Thema, wie Sie die verschiedenen, sehr unterschiedlichen Stufen eines (Vor-)Burnouts erkennen können.

 

© Claudia Kraaz

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