HEUTE SCHON VOM 10-METER-BRETT GESPRUNGEN?

23. Mai 2017 / Allgemein
Resilienz

Wann haben Sie zum letzten Mal etwas Verrücktes getan? Oder schon nur Ihre alltäglichen Gewohnheiten und ihren Tages-Rhythmus geändert? Wir alle leben gerne in unserer Komfortzone – da ist es doch so schön gemütlich, und wir fühlen uns sicher. Aber persönliches Wachstum findet nur statt, wenn wir etwas Neues wagen. Auch hier gilt: beginnen Sie mit kleinen Schritten.

An Zufälle glaube ich schon lange nicht mehr – oder höchstens daran, dass einem etwas zufällt, wenn es Zeit ist dafür. Für heute – ein Bürotag ohne Coachings oder Resilienz-Trainings – hatte ich mir vorgenommen, u.a. meinen nächsten Blogtext zu schreiben – zum Thema „Raus aus der Komfortzone!“. Und was passiert? Gestern Abend nehme ich die neuste Ausgabe des Hefts “emotion“, das ich schon seit mehreren Jahren abonniert habe, zur Hand, um vor dem Einschlafen noch ein bisschen zu lesen. Und was ist die Titelstory? „Los, einfach ausprobieren“ – ein Dossier zu genau meinem Thema. U.a. hat die Chefredaktorin davon berichtet, welch unglaubliche Angst sie davor hatte, an einem Team-Event zehn Meter in die Tiefe zu springen – aber es dann doch wagte und unendlich stolz auf sich war.

Das hat mich daran erinnert, dass ich als Teenie im Freibad dauernd vom 10-Meter-Sprungbrett gesprungen bin. Heute eine Horrorvorstellung, aber damals überwand ich meine Angst, die ich auch zu dieser Zeit schon hatte, und sprang einfach. Aber es kam mir auch wieder in den Sinn, dass ich während meiner Teenie-Zeit jahrelang darauf gewartet hatte, endlich volljährig zu sein (damals war man das erst mit 20), um ENDLICH meinen ersten Fallschirmsprung zu machen. Als ich schliesslich 20 wurde, habe ich es dann aber immer wieder vor mir hergeschoben, und ich muss heute – mit 50 – gestehen, dass ich es nie gemacht habe – aus Angst.

 

Eine Art Stillstand

Als Kind hat man viel weniger Hemmungen, wilde Sachen zu machen (wie es meine 5-jährige Tochter über alles liebt und auch immer wieder Schrammen davon trägt) oder auch Fragen zu stellen, die ein Erwachsener nie stellen würde (wie es meine 7-jährige Tochter immer wieder mal tut). Im Erwachsenenalter befinden sich die meisten von uns in einem gewissen Alltagstrott: fast gleiche Tagesabläufe, fixe Verhaltensmuster, eingespielte Beziehungen usw.

Das hat ja auch Vorteile. Es gibt einem Sicherheit und braucht kaum Anstrengung. Man weiss, was einem erwartet – man ist in seiner Komfortzone. Aber gleichzeitig heisst das auch: kaum je etwas Neues wagen, etwas ausprobieren, ausbrechen aus seinen Mustern. Das bedeutet also eine Art Stillstand. Will ich das? Ich bin eigentlich der Typ Mensch, der Veränderungen liebt und auch gerne Risiken eingeht (aber heute – im Gegensatz zu früher – nicht mehr die körperlichen…). Ich hatte keine Angst davor, mein eigenes Geschäft zu gründen. Ich gehe gerne auf Leute zu, die ich eigentlich gar nicht kenne. Ich bin erst vor kurzem umgezogen und fühle mich schon pudelwohl am neuen Ort. Ich könnte diese Liste unendlich weiterführen. Denn für mich ist Wandel Energie.

 

Macht der Gewohnheit

Aber gleichzeitig muss ich gestehen, dass auch ich meine immer gleichen Abläufe habe und manchmal Opfer meiner Verhaltensmuster werde. Die Macht der Gewohnheit ist stark. Man hat Rituale, Automatismen und Routinen – sehr angenehm, da bequem und berechenbar. Hat man jedenfalls das Gefühl. Sie kennen ja vielleicht auch das Syndrom des „Boiling Frog“: Wenn man einen Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser setzt, tut er alles, um sich aus dieser brenzligen Situation zu befreien. Aber wenn man ihn in einen Topf mit kaltem Wasser setzt, das langsam erhitzt wird, macht er es sich gemütlich und bleibt sitzen, bis er buchstäblich gar gekocht ist.

Genauso funktioniert es auch bei uns Menschen. Wir haben unseren Trott, der angenehm scheint, aber einem gar nicht mehr spüren lässt, was denn die Konsequenzen dieser vertrauten Gemütlichkeit sind. Was hält uns eigentlich davon ab, unsere Komfortzone zu verlassen? Ganz einfach: es ist viel anstrengender, und wir könnten ja auch dabei scheitern! Und dann hat mich niemand mehr gern! Aber überlegen Sie einmal: was könnte schlimmstenfalls geschehen? Meistens gar nichts Dramatisches. Denn FAIL heisst ja auch „First Attempt in Learning“.

 

Mit kleinen Schritten beginnen

Wie kann man nun wieder lernen, seine Komfortzone zu verlassen? Entscheidend ist, dies in kleinen, behutsamen Schritten zu tun. Versuchen Sie doch z.B., kleine Alltags-Routinen zu ändern oder fixe Arbeitsabläufe neu zu definieren. Den Chef proaktiv um die Leitung eines neuen, spannenden Projekts anzufragen. Sich freiwillig vor eine kleine Schar Leute hinzustellen und zu sprechen. Was hilft, ist, sein Ziel aufzuschreiben, es möglichst vielen Leuten zu erzählen und sich eine Deadline für die Verwirklichung zu setzen.

Wenn Sie etwas wagen, lernen Sie vielleicht ganz neue Seiten an sich kennen und entwickeln sich weiter. Das gibt einem Selbstvertrauen und auch Mut, nochmals einen Schritt weiter raus aus der Komfortzone zu wagen – die dann mit der Zeit immer grösser wird. Ich sage meinen Kindern immer wieder: du weisst nicht, ob du das Lebensmittel x magst, bis du es nicht probiert hast. Es könnte ja eines darunter sein, das du plötzlich liebst. Ihre Komfortzone erweitert sich also mit jeder Erfahrung. Was wollen Sie Neues wagen? Springen Sie über Ihren Schatten und überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund! Das ermöglicht Ihnen, persönlich zu wachsen. Ich wünsche Ihnen viel Mut, Spass am Neuen und Erfüllung.

 

© Claudia Kraaz

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