ERHOLUNG MACHT LEISTUNGSFÄHIG

12. Juli 2016 / Allgemein
Resilienz

Erholung

Wer viel arbeitet, bewältigt auch viel. Doch ist viel arbeiten auch immer effektiv, hat also den gewünschten Effekt? Meine These: nur, wenn man der Pause genauso grossen Stellenwert beimisst und die richtige Balance zwischen Leistung und Erholung findet. Der Spitzensport hat der Wirtschaft in dieser Beziehung etwas voraus: Top-Sportler wissen, dass sie genügend Zeit für Regeneration einplanen müssen, um voll leistungsfähig zu sein.

Ich mache für ein Referat zurzeit gerade eine Umfrage bei den CEOs der gut 100 bedeutendsten Schweizer Firmen zu ihrer persönlichen Gesundheit und dem Stellenwert der Gesundheit in ihrem Unternehmen. Eine Frage ist dem Thema gewidmet, wie lange unsere Top-Manager pro Woche arbeiten. Die meisten CEOs antworten mir: 60-70h pro Woche. Klar, sie haben einen riesigen Berg an Aufgaben zu bewältigen, der einen grossen Einsatz verlangt. Kunden, Mitarbeitende und viele andere sogenannte Stakeholders verlangen ihre Aufmerksamkeit. Aber die entscheidende Frage ist doch: bringt das viele Arbeiten auch etwas? Ist es effektiv?

 

(Zu) viel arbeiten ist ineffektiv

Das Fazit der Wissenschaft ist eindeutig: wenn man mehr als 55h pro Woche arbeitet, nimmt die Produktivität ab. Einfach gesagt: 50h pro Woche zu arbeiten, bringt mehr als 70h. Denn die Konzentration lässt nach, Fehler schleichen sich ein. Und nicht nur das: wer regelmässig 11h täglich arbeitet, erhöht sein Risiko, an einer Depression zu erkranken, um das 2,5-fache. Andere negative Effekte von Überarbeitung sind z.B. Schlafstörungen, Magenprobleme, Rückenschmerzen usw. Dies wiederum macht uns nochmals weniger leistungsfähig.

Beim Thema Leistungsfähigkeit bringe ich gerne die Analogie zum Spitzensport. Die heutige Arbeitswelt funktioniert wie der Spitzensport: immer sind Höchstleistungen gefordert, der Druck ist immens. Spitzensportler haben der Wirtschaft jedoch etwas voraus. Sie machen alles für ihren Erfolg, sind sich aber gleichzeitig immer bewusst: ich kann nur Höchstleistungen erbringen, wenn mein Körper sich immer wieder erholen kann. Das Muskelwachstum erfolgt nämlich in den Ruhe- und Erholungsphasen. Wenn ein Top-Sportler zu viel trainiert, nimmt seine Leistungsfähigkeit ab, oder er wird verletzungsanfällig.

 

(Zu) wenig Erholung macht „verletzungsanfällig“

Genau das Gleiche gilt für die Wirtschaft: wir alle brauchen die Erholung am Feierabend, am Wochenende und während den Ferien, um leistungsfähig zu bleiben. Sonst werden unsere Batterien leer und geben ihren Geist auf. Wir werden im übertragenen Sinne „verletzungsanfällig“, d.h., anfällig für vermehrte Krankheitsabwesenheiten oder sogar einen Burnout. Über ein sehr wichtiges Puzzleteil der Regeneration habe ich ja schon zwei Blogtexte geschrieben, den Schlaf: http://www.stressandbalance.ch/2016/04/01/schlafmanko-macht-betrunken/ und http://www.stressandbalance.ch/2016/04/22/fuer-ae-tueuefa-gsundae-schlaaf/. In den USA werden die Produktivitätsausfälle aufgrund von Schlafmanki auf rund USD 63 Mrd. geschätzt. Kein Wunder schwören VIPs wie Jeff Bezos, Warren Buffet, Sheryl Sandberg und Bill Gates auf die reinigende Wirkung von genügend Schlaf.

Genügend und erholsamer Schlaf ist entscheidend, um seine Batterien wieder aufzuladen und leistungsfähig zu bleiben. Wichtig sind aber auch kurze Pausen während des Tages. Die Wissenschaft empfiehlt, jede Stunde oder anderthalb Stunden eine Pause von ein paar Minuten zu machen. Dies ist jedoch in unserem hektischen Arbeitsalltag mit vielen Sitzungen usw. nicht immer möglich. Aber atmen Sie doch einfach jede Stunde ein paar Mal ganz tief durch, oder denken Sie an etwas Schönes – an Ihnen wichtige Menschen, ein schönes Ferienerlebnis, einen persönlichen Kraftort oder etwas Anderes, das Sie inspiriert. Das reicht schon, um das Nervensystem runterzufahren und aufzutanken. Oder gehen Sie auf die Website http://www.donothingfor2minutes.com/ Lassen Sie sich überraschen von dem Sonnenuntergang und was er Ihnen sagen will.

 

© Claudia Kraaz

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