BURNOUT: PHÄNOMEN ODER WIRKLICHKEIT?

12. Mai 2016 / Allgemein
Resilienz

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Ein Viertel der erwerbstätigen Schweizerinnen und Schweizer fühlt sich burnout-gefährdet. Das sind über 1 Million Menschen. Mit potenziell tragischen Folgen für den Einzelnen und hohen Kosten für die Unternehmen. Denn chronischer Stress und Burnout kosten in der Schweiz jährlich rund CHF 5,6 Mia.

In meinen Referaten in Unternehmen wird mir immer wieder die Frage gestellt: gibt es mehr Burnouts, oder redet man einfach mehr drüber? Ist vielleicht einfach das Bewusstsein dafür gestiegen? Die Antwort ist klar: die Anzahl Burnout-Fälle ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ich bin überzeugt: die meisten von Ihnen kennen mindestens einen Menschen mit einem Burnout, sei es in Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld. Und die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

46% der Männer und 36% der Frauen in der Schweiz sprechen von sehr starker psychischer und nervlicher Anspannung am Arbeitsplatz.

28% dieser Frauen und 21% dieser Männer sind auch von starken körperlichen Beschwerden geplagt.

24% erwerbstätigen der Schweizer sind gemäss Eigeneinschätzung gefährdet, einen Burnout zu erleiden.

Die Folgekosten von Stress und Burnout in der Schweiz belaufen sich gemäss Schätzung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO auf sehr hohe CHF 5,6 Mia. pro Jahr. Dabei werden der Produktivitätsverlust, die Arbeitsausfälle und Krankheitskosten in die Schätzung miteinbezogen. In Europa sagen sogar 60% der Arbeitnehmer, ihre Arbeit wirke sich negativ auf ihre Gesundheit aus. In Deutschland stiegen die Anzahl Burnoutfälle von 2004 bis 2011 um 700%, und die Anzahl der durchschnittlichen Krankheitstage pro Fall verdoppelte sich. In den USA sind 60% der Gesundheitsprobleme durch Stress ausgelöst oder werden damit assoziiert. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf jährlich USD 300 Mia. geschätzt.

 

Massive Auswirkungen auf den Einzelnen und die Unternehmen

Chronischer Stress und Burnout haben massive Auswirkungen auf den Einzelnen, seine Lebensqualität und seine Funktionsfähigkeit. Aber sie haben auch grosse Auswirkungen auf die Unternehmen. Selbstverständlich verlangt ein Unternehmen überdurchschnittliche Leistungen und grosses Engagement. Aber ein zu grosses Engagement kann auch zu einer tieferen Arbeitsqualität führen. Studien zeigen, dass die Produktivität bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 55 Stunden klar abnimmt.

Zudem ist man unkonzentriert und macht mehr Fehler, wenn man erschöpft ist. Wer demotiviert ist – ein typisches Zeichen für einen drohenden Burnout –, arbeitet weniger, und die Arbeitsqualität leidet. Höhere Fehlzeiten bis zum totalen Ausfall kosten die Unternehmen viel Geld. Und last but not least: die schlechtere Stimmung im Team – bedingt durch die notwendige Mehrarbeit und den sozialen Rückzug des Betroffenen – führt mittelfristig zu einer höheren Fluktuation. Chronischer Stress und Burnout bedeuten also für ein Unternehmen eine tiefere Arbeitsquantität und -qualität sowie höhere Kosten.

Das muss jedoch nicht sein. In meinem nächsten Blog werde ich Ihnen erläutern, welches die Früherkennungsmerkmale eines drohenden Burnouts sind und was die Unternehmen als Ganzes und die einzelnen Führungskräfte tun können, um Burnouts ihrer Mitarbeitenden zu vermeiden.

 

© Claudia Kraaz

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