Erfolg dank einer konstruktiven Fehlerkultur

25. Februar 2021 / Allgemein
Resilienz

Einen Fehler zu machen – dies tut niemand gerne. Denn kein Mensch möchte versagen. Scham und vielleicht sogar eine starke negative Reaktion des Chefs sind die Folgen. Aber erfolgreiche Firmen erkennen in Fehlern eine Chance – weil sie die Möglichkeit bieten zu lernen. Und wer nichts wagt (und dadurch auch mal scheitert), gewinnt auch nichts. Firmen mit einer konstruktiven Fehlerkultur sind innovativer, agiler und deshalb auch erfolgreicher am Markt.

Ich liebe die folgende Geschichte über den ehemaligen Chef von IBM, Thomas Watson: Nachdem ein Mitarbeitender durch einen Fehler 600‘000 Dollar in den Sand gesetzt hatte, wurde er ins Büro des Chefs gebeten. „Ich weiss, ich habe einen schweren Fehler gemacht. Sie müssen mich entlassen.“, sagte er. Watson antwortete darauf: „Entlassen? Kommt gar nicht infrage! Ich habe gerade 600‘000 Dollar in Ihre Weiterbildung investiert.“ Er wollte also nicht, dass die Konkurrenz von den Lerneffekten profitierte, die der Mitarbeitende gemacht hatte.

Wenn man Führungskräfte danach fragt, ob sie in ihren Bereichen eine Fehlerkultur leben, sagen wahrscheinlich alle: „Ja, selbstverständlich!“. Aber im Alltag sieht es häufig anders aus. Es gibt viele Mitarbeitende, die die Erfahrung gemacht haben, dass der Chef wütend auf einen Fehler reagiert, ja sie vielleicht sogar an den Pranger stellt. Ein harter Rüffel macht jedoch einen Fehler nicht ungeschehen, kann aber nachhaltige Auswirkungen auf den Betroffenen haben.

 

Kontraproduktive Wirkung

Was löst eine solche starke negative Reaktion des Vorgesetzten bei den Mitarbeitenden aus:

 

 

Interessant ist denn auch, dass Organisationen sehr viel Wert auf eine konstruktive und institutionalisierte Fehlerkultur legen, die in hoch gefährlichen Bereichen tätig sind, bei denen es um Leben und Tod geht, z.B. die Luftfahrtindustrie oder die Medizin. Dies aufgrund der Überzeugung, dass ein Austausch über geschehene Fehler und ein Lernen daraus weitere Fehler (also auch Todesfälle) verhindern kann.

 

Irren ist menschlich

Klar, es gibt Fehler, die nicht geschehen dürfen, z.B. ethisches Fehlverhalten oder rechtliche Verstösse. Und die gleichen Fehler sollten sich nicht wiederholen. Doch Fehler macht jeder Mensch. Wie sagt man so schön: “Irren ist menschlich.“ Entscheidend ist, wie man damit umgeht, wenn ein Fehler geschehen ist, damit der gleiche Fehler nicht noch einmal passiert, sondern man daraus lernt. Denn Fehler sind die Basis für Fortschritt, Weiterentwicklung und Innovation. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist sogar der Ansicht, dass keine Fehler machen zu wollen, der grösste Fehler ist, den man machen kann: „Das grösste Risiko ist, keine Risiko einzugehen. In einer Welt, die sich unglaublich schnell verändert, ist keine Risiken zu wagen, die einzige Strategie, die garantiert scheitert.“

Die meisten Menschen machen jedoch schon früh schlechte Erfahrungen mit Fehlern. Viele Eltern sanktionieren Fehler ihrer Kinder, und in der Schule werden Fehler rot angestrichen und führen zu einer schlechten Note. Deshalb wollen Kinder schon alles perfekt machen und den Eltern und Lehrern gefallen – und wagen deshalb weniger. Viele Erwachsene müssen sich deshalb wieder „umprogrammieren“. In Unternehmen ist es deswegen von grosser Wichtigkeit, dass eine Fehlerkultur nicht nur im Leitbild festgehalten wird, sondern aktiv gelebt wird. Es muss dafür ein Klima frei von Angst und Bestrafung herrschen.

 

Tipps für eine konstruktive Fehlerkultur

Bei einer positiven Fehlerkultur geht es nicht darum, Fehler grundsätzlich gutzuheissen, sondern einen konstruktiven Umgang damit zu finden. Wie schafft man das?

 

 

Entscheidend ist also nicht, dass wir keine Fehler machen. Denn Fehler machen liegt in der Natur des Menschen. Der US-Professor und Erziehungsberater Laurence J. Peter sagte dazu treffend: „Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.“ Viel wichtiger ist, was wir tun, wenn uns Fehler unterlaufen sind, um deren Schaden zu begrenzen und künftige Fehler zu wiederholen, und dass man Fehler als Chancen für Entwicklung und Innovation erkennt.

 

© Claudia Kraaz

 

 

 

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