Angst: zwei Seiten einer Medaille

10. November 2020 / Allgemein
Resilienz

Angst haben wird von vielen Menschen als etwas Negatives gesehen – als Zeichen von Schwäche. Doch dies ist nur der Fall, wenn die Angst das Kommando über uns übernimmt und unser ganzes Leben bestimmt. Angst kann uns auch vor Gefahren schützen und so Leben retten – wie in der aktuellen Corona-Zeit zum Beispiel. Im heutigen Blogbeitrag erläutere ich Ihnen die beiden Seiten der Angst sowie die speziellen Corona-Ängste. Im nächsten Beitrag gebe ich Ihnen konkrete Tipps, wie Sie Ihre Angst überwinden können.

In der Steinzeit war es empfehlenswert, nicht völlig unbeschwert in der Gegend herumzuspazieren, sondern sich bewusst zu sein, dass jederzeit ein Säbelzahntiger um die Ecke kommen könnte. Eine gewisse Angst – verbunden mit einer erhöhten Aufmerksamkeit – unterstützte unseren Vorfahren darin, allzeit bereit zu sein, um kämpfen oder fliehen zu können. Angst kann uns also vor Gefahren schützen und sogar Leben retten. Denn Angst signalisiert uns wie eine Warnlampe, dass etwas nicht in Ordnung ist – und lässt uns handeln. Furcht kann also unter Umständen unsere Leistungsfähigkeit stärken, aber – wenn sie überhandnimmt – uns auch schwächen.

Heute gibt es keine Säbelzahntiger mehr, jedenfalls keine physischen. Wir machen uns über ganz andere Themen Sorgen. Millionen von Menschen leiden unter Ängsten wie z.B. (nicht abschliessend):

 

 

Ein Viertel entwickelt krankhafte Ängste

Wie erläutert, kann Angst sehr sinnvoll und sogar lebensrettend sein. Doch rund 25% der Menschen entwickeln Ängste, die nicht mehr rational gerechtfertigt sind durch effektiv drohende Gefahren. Angsterkrankungen zählen neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Krankheiten. In solchen Fällen bestimmen Ängste unser ganzes Leben, engen unsere Optionen ein, ja manchmal lähmen sie uns richtig. Vor lauter Angst fällt man keine Entscheidungen mehr und zieht sich völlig zurück.

In solchen Fällen kommt ein gefährlicher Teufelskreis in Gang: unsere negativen Gedanken und Sorgen führen zu körperlichen Reaktionen (z.B. Herzrasen, Schweissausbrüchen, Schwindel, Schlafstörungen). Diese körperlichen Reaktionen wiederum verstärken dann unsere Ängste. Unsere negativen Gedanken und unsere körperlichen Reaktionen schaukeln sich also gegenseitig hoch – bis zu einer Panikattacke, die von keiner effektiven Gefahr ausgelöst wird. Auf den Punkt gebracht: die Angst vor der Angst verstärkt die Angst – und seine Auswirkungen auf uns. Denn durch das dauernde intensive Beschäftigen mit einer gewissen Situation treten die Symptome immer häufiger auf.

 

Vielfältige und starke Ängste rund um Corona

Genau dieses Muster läuft zurzeit bei vielen Menschen im Zusammenhang mit Corona ab. Wir lesen dauernd Hiobs-Botschaften über die stark steigenden Zahlen und kommen immer mehr in die Angst (selbstverständlich aufgrund der Entwicklungen auch berechtigt). Eine Umfrage in Deutschland hat gezeigt, dass 11% der Befragten sehr grosse Angst vor einer Ansteckung haben und 26% grosse Angst.

Die Corona-Stress-Studie der Universität Basel hat ergeben, dass sich Anfang Juli 2020 rund 40% der Befragten trotz der damaligen Lockerungen gestresster fühlten als vor der Krise. Die Zahl der schwer Depressiven in der Schweiz stieg durch Corona bis im Sommer von vorher 3% auf hohe 12%. Am stärksten betroffen sind Frauen (dies aufgrund der Doppelbelastung Arbeit-Home Schooling) und jüngere Menschen. Sie fühlen sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, und ihre beruflichen Möglichkeiten werden z.T. gekappt.

Die Menschen haben also nicht nur Angst vor einer eigenen Ansteckung oder der ihrer Liebsten. Folgende Umstände führen dazu, dass Corona uns besonders stark Angst macht:

 

 

Im nächsten Blogbeitrag werde ich Ihnen erklären, wie Sie dafür sorgen können, dass Ihre Ängste – seien es bezüglich Corona oder ganz allgemein – nicht Ihr ganzes Leben bestimmen. Dies ist möglich, denn Ängste entstehen heute häufig nicht durch reale Gefahren, sondern indem wir Situationen negativ bewerten, aufgrund von früheren negativen Erfahrungen wiederum Schlechtes erwarten oder uns Worst-Case-Szenarien ausmalen. Das Gute daran ist: Wir können lernen, uns unseren Ängsten zu stellen und unsere Gedanken umzulenken – wie dies geht, lesen Sie in drei Wochen.

 

© Claudia Kraaz

 

 

 

Blog via E-Mail abonnieren

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.