Cheffing: wie führe ich meinen Chef

27. Januar 2020 / Allgemein
Resilienz

„Meinen Chef von unten führen: geht das?“, fragen Sie sich vielleicht nun. Ja, das geht! Meine Erfahrung zeigt: das Wichtigste dabei ist, sein volles Vertrauen zu gewinnen, indem Sie ihm zeigen, dass Sie hinter ihm stehen. Als Zweites gilt es, herauszufinden, was ihm wichtig ist und wie er tickt. Dann können Sie mit dem positiven Beeinflussen beginnen. Cheffing braucht Geduld, Fingerspitzengefühl, Beobachtungsgabe und eine taktische Vorgehensweise.

Ich hatte einmal einen sehr bekannten Chef, den CEO einer Grossbank. Er genoss grossen Respekt bei den Mitarbeitenden, aber aufgrund seines sehr selbstbewussten Auftretens und seiner grossen Autorität getrauten sich nur wenige, ihm ungeschminkt die Wahrheit zu sagen – ich schon… Für mich war er der beste Chef, den ich je hatte, auch wenn er – wie meine Mutter jeweils zu bemerken pflegte – „etwas grummelig“ wirkte. Selbstverständlich führte er mich, aber ich führte ihn auch, und er liess sich von mir führen – zum Wohle von uns beiden, also eine absolute Win-Win-Situation. Ich bin mir sicher: er würde diese Aussage ebenfalls unterschreiben.

 

Chefs sind auch nur Menschen

Wieso profitieren beide Seiten von einem „Führen von unten“? Um Missverständnisse zu vermeiden: es geht nicht darum, den Chef* von unten zu „bossen“. Das Ziel ist, im Sinne der gemeinsamen Sache positiv auf den Vorgesetzten einzuwirken, indem man versucht, bestimmte Entscheidungen herbeizuführen und Verhaltensweisen positiv zu beeinflussen, mit der Idee, dass dies allen dient. Auch Chefs sind nicht perfekt. Meine Erfahrung ist: die starken, selbstbewussten Chefs sind sich dessen bewusst und wollen nicht einfach herrschen aufgrund ihrer Stellung, sondern wollen die fachlichen und persönlichen Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden nutzen und nehmen sie entsprechend ernst – zu ihrem Wohle und zum Wohle des Unternehmens.

Wie schafft man es denn nun, seinen Chef von unten zu führen? Zuerst einmal muss man ein paar Regeln beachten, wie man Chefs ja nicht behandeln sollte:

 

 

Gewinnen Sie sein volles Vertrauen

Was hilft Ihnen nun, um den Chef im Sinne der gemeinsamen Sache positiv zu beeinflussen?

 

 

Wenn Sie einen schlechten Chef haben, begeben Sie sich ja nicht in die Opferrolle, sondern versuchen, ihn als Geschenk zu sehen. Sie können viel von ihm lernen, z.B. wie man nicht führen sollte, wie Sie für sich einstehen können, ohne einen offenen Konflikt zu riskieren, oder welche Strategien man anwenden muss, um zum Ziel zu kommen.

Cheffing braucht viel Fingerspitzengefühl, eine gute Beobachtungsgabe und eine taktische Vorgehensweise. Wenn Sie einen Vorgesetzten erfolgreich von unten führen, profitieren beide Seiten. Denn es dient Ihrem Wohl, seinem und dem des Unternehmens.

 

*  In diesem Zusammenhang möchte ich wieder einmal darauf hinweisen, dass ich aufgrund der Lesbarkeit nur die männliche Schreibweise verwende. Alles hier Gesagte gilt selbstverständlich auch für Chefinnen!

 

© Claudia Kraaz

 

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